Rohstoffmarkt unter Druck
Holzpreise auf Rekordniveau: Waldbesitzer profitieren – Sägewerke geraten unter Druck
Die Rohholzpreise für Kiefer und Fichte sind so hoch wie lange nicht. Das bringt Waldbesitzern kurzfristig spürbare Mehreinnahmen, verschiebt aber die Belastung in der Wertschöpfungskette: Verarbeiter wie Sägewerke müssen teurer einkaufen, während Absatz und Baukonjunktur vielerorts nicht im gleichen Tempo mitziehen.
Regionale Dynamik im mittelfränkischen Buch am Wald
Im mittelfränkischen Buch am Wald (Landkreis Ansbach) zeigt sich die Dynamik konkret. Holzhändler Thomas Göttel berichtet, aktuell deutlich mehr Holz einzuschlagen als in einem normalen Jahr – nach seinen Angaben etwa doppelt so viel. Solche Entscheidungen sind in Zeiten hoher Preise naheliegend: Wer verkaufsfähige Bestände hat, kann den Markt nutzen, solange das Preisfenster offen ist.
Statistische Bestätigung des Preisniveaus
Breite Daten stützen den Eindruck eines insgesamt hohen Preisniveaus. Das Statistische Bundesamt (Destatis) weist für März 2026 beim Index der Erzeugerpreise der Produkte des Holzeinschlags 127,3 Punkte aus (Basis 2015 = 100) – das sind 12,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Auch bei Fichte und Kiefer werden Preiszuwächse gemeldet. Der Auftrieb ist damit nicht nur ein lokales Phänomen, sondern in den amtlichen Marktindikatoren sichtbar.
Druck auf Sägewerke und weiterverarbeitende Betriebe
Wenn Rohholz teuer ist, wird es für Sägewerke und weiterverarbeitende Betriebe schnell eng. Denn sie müssen die höheren Einkaufspreise zunächst tragen, um ihre Anlagen auszulasten und Lieferverträge zu erfüllen. Bei der Rettenmeier GmbH in Wilburgstetten (Kreis Ansbach) kommen nach Unternehmensangaben weitere Kostentreiber hinzu: Energie und Diesel seien teurer geworden, zudem reichten Speditionen ihre gestiegenen Kosten an die Industrie weiter. In Summe wächst damit der Druck aus mehreren Richtungen gleichzeitig – vom Rohstoff über den Betrieb bis zur Logistik.
Ungleichgewicht bei den Absatzpreisen
Die entscheidende Frage für Verarbeiter ist, ob sie die Mehrkosten an ihre Kunden weitergeben können. Genau hier liegt derzeit ein Ungleichgewicht: Hohe Preise für den Rohstoff Holz bedeuten nicht automatisch, dass auch die Preise für Holzprodukte im selben Maß steigen. Für Sägewerke ist das der ungünstigste Fall – teuer einkaufen, aber im Verkauf nur begrenzte Spielräume haben.
Unsicherheit auf Absatzmärkten und Baukonjunktur
Hinzu kommt die Unsicherheit auf wichtigen Absatzmärkten. Aus der Branche heißt es, der US-Markt schwächle unter anderem wegen hoher Bau- und Hypothekenzinsen. Eine IHK-Analyse zur Bauwirtschaft in den USA beschreibt, dass die Hypothekenzinsen für 30-jährige Kredite Anfang Mai 2025 im Schnitt bei rund 6,8 Prozent lagen (nach 6,1 Prozent Ende 2024) – ein Niveau, das Finanzierungen verteuert und Neubauentscheidungen bremst. Gleichzeitig bleibt auch in Deutschland die Bauwirtschaft ein Risikofaktor: Trotz einzelner positiver Signale – Destatis meldete für November 2025 einen realen Anstieg der Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe um 8,5 Prozent gegenüber dem Vormonat – wird die Lage in der Branche weiterhin als fragil beschrieben. Für die Holzwirtschaft ist das zentral, weil ein erheblicher Teil der Nachfrage direkt am Bau hängt.
Empfehlungen für private Waldbesitzer
Für private Waldbesitzer wirkt das Rekordniveau wie ein Rückenwind – aber nur, wenn der zusätzliche Erlös strategisch genutzt wird. Professor Hubert Röder, der an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zu nachhaltiger Forstwirtschaft forscht und lehrt, empfiehlt, die hohen Preise mitzunehmen, das Geld jedoch möglichst wieder in den Wald zu investieren. Der entscheidende Punkt ist nicht „mehr Einschlag um jeden Preis“, sondern Vorsorge: Waldumbau, Verjüngung von Mischwäldern und eine größere Vielfalt bei den Baumarten erhöhen die Stabilität der Bestände – und damit die Chance, auch in künftigen Krisen lieferfähig zu bleiben.
Waldschäden und regionale Risiken
Der Handlungsdruck ist real, weil Waldschäden die Rohstoffbasis regional verschieben können. Bayern blieb in den vergangenen Jahren zwar zu großen Teilen von den schlimmsten Borkenkäferfolgen verschont, doch die Risiken rücken näher. Das LWF-Monitoring 2024 weist bayernweit weiterhin hohe Schadholzmengen aus, die sich im Jahresverlauf zwar stabilisierten, aber mit rund 3,6 Millionen Festmetern (Stand 30.09.2024) weiterhin ein beträchtliches Niveau erreichten. Schwerpunkte lagen erneut im Norden Unter- und Oberfrankens sowie im Bayerischen Wald; zugleich wird von einer hohen Ausgangspopulation für die nächste Saison ausgegangen. Der Frankenwald gilt als Beispiel dafür, wie schnell gesunde Bestände unter Druck geraten können, wenn Wetterextreme, Trockenstress und Käferbefall zusammenkommen. In nördlicheren und östlicheren Regionen Deutschlands fehlen nach Brancheneinschätzungen bereits vielerorts gesunde Bestände und entsprechendes Holz – ein Hinweis darauf, wie stark regionale Schadlagen Angebot und Preisbildung beeinflussen können.
Fazit
Unterm Strich sind die Rekordpreise am Rohholzmarkt kein eindeutiges Signal für eine „starke Branche“. Sie begünstigen Waldbesitzer kurzfristig, während Sägewerke und Verarbeiter in einer Kostenklemme stehen – zumal Absatzmärkte und Baukonjunktur nicht verlässlich mitziehen. Entscheidend wird sein, ob sich die Nachfrage nach Holzprodukten wieder verbreitert und ob die aktuellen Zusatzerlöse genutzt werden, um die Wälder widerstandsfähiger zu machen. Ohne diese Investitionen bleibt der Vorteil der hohen Preise für viele Waldbesitzer eine Momentaufnahme – und das Risiko für die gesamte Wertschöpfungskette wächst.
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- https://www.br.de/nachrichten/bayern/hohe-holzpreise-fluch-oder-segen-fuer-die-holzwirtschaft,VK3EjEN, 25.05.262026
- https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Landwirtschaftspreisindex-Forstwirtschaftspreisindex/erzeugerpreise-produkte-holzeinschlag.html
- https://www.lwf.bayern.de/waldschutz/monitoring/371320/index.php

